Mittwoch, 9. Juli 2014

Ich bin eine Spießerin

"Iß bitte vernünftig!"
"Räum Deine Spielsachen vom Boden weg!"
"Ich möchte, daß Du Dich dafür entschuldigst
"Setz Dich vernünftig an den Tisch!"
"Wie sagt man das denn nett?"
"Schrei mich nicht an!"
 "Hast Du danke gesagt?"

Als ich Babynella heute vom Kindergarten abholte, begrüßte mich die Erzieherin mit der Frage:"Sag mal, hört Deine Tochter bei Euch zu Hause derzeit auch absolut gar nicht?".

Toll. Ich dachte wenigstens im Kindergarten täte sie was man ihr sagt, aber offenbar ist sie da inzwischen so "angekommen" (das wollte ich doch, oder?), daß sie sich dort genauso benimmt wie zu Hause - und zwar wie eine kleine Wildsau.

Sie testet jede Grenze aus die es gibt, guckt genau, bis wohin sie gehen kann. Da wir zumindest versuchen, ihr klar zu machen, wo Schluß ist, ergehen wir uns täglich gefühlt stundenlang in Anweisungen der oben aufgeführten Art. Mit dem Ergebnis, daß bei uns derzeit ziemlich viel geheult (Babynella) und gebrüllt (durchaus beide Seiten) wird.

Ich fühle mich dabei stellenweise wie die absolute Oberspießerin, aber ich glaube auch, daß wir da jetzt dran bleiben müssen. Oder um es anders zu formulieren: Mich treibt die nackte Angst vor völliger Anarchie im eigenen Heim. Also versuchen wir klar und eindeutig zu sein, nicht rumzudiskutieren und im Idealfall nicht selber völlig auszuflippen.

Ich weiß, daß die sogenannte Autonomiephase (Schönrednerdeutsch für Non-Stop-Trotzanfall) altergemäß ansteht und für Babynellas Entwicklung wichtig ist. Ich finde es aber trotzdem nicht besonders toll, den ganzen Fräulein Rottenmeier zu geben.

Einziger Trost: Babynella ist in guter Gesellschaft, alle Eltern ihrer gleichaltrigen Freunde berichten gleichartiges.

Grinsen mußte ich dann auch trotzdem noch. Die Erzieherin fasste nämlich ihren Bericht über den kollektiven Zwergenaufstand, den Babynella und ihre drei Kumpelinen derzeit im Kindergarten fahren mit folgenden Worten zusammen: "Tja, wir haben eben dieses Jahr sehr viele starke Mädchen!". Um das so zu sehen muß man zwar vermutlich Profipädagogin zu sein, ich finde die letztlich positive Sicht aber trotzdem toll - und ganz schön bewundernswert.

Mal wieder Zeit für das Elternmantra: Es ist alles nur eine Phase! Ommmmm!



Sonntag, 6. Juli 2014

Colour my world!

Der Sommer 2014 ist ja leider bisher eher regnerisch, was das Leben mit einem quirligen Kleinkind nicht unbedingt einfacher macht.

Ihr habt eine Wand (oder mehrere), die mal wieder einen frischen Anstrich gebrauchen könnte? Dann hier der ultimative fashion baby! Ferientipp gegen Langeweile!

Man nehme: einen Eimer Farbe sowie viel (!) Folie zum Abdecken der Umgebung. Dazu schnappe man sich ein unterbeschäftigtes Kind mit zuviel Energie (Mindestalter je nach persönlicher Nervenstärke) und ziehe es bis auf die Unterhose aus. Man drücke dem Kind eine kleine Farbrolle in die Hand und los geht die Sauerei, äh, der Spaß.

Ich hatte mich auf ein größeres Massaker eingestellt und war wirklich überrascht, mit wie viel Hingabe Babynella dabei half, aus der grünen Wand eine schlumpftürkise zu machen.

Im Anschluß sind wir dann einfach zusammen in die Wanne, da war das Gegacker noch mal groß.

Fazit: Streichaktion gelungen, Mama und Kind happy und sauber sind wir jetzt auch noch.

Eigentlich müsste ja mal die ganze Wohnung gestrichen werden.... Aber da hab ich noch eine andere Idee im Kopf. Dazu später mehr!

Mittwoch, 2. Juli 2014

Ein Brüderchen, ein Schwesterchen und ein Auto

Um uns herum wird zur Zeit geboren was das Zeug hält. Gefühlt alle vier Wochen gibt es im Kindergarten ein neues Geschwisterchen zu bewundern und im Freundeskreis haben wir derzeit auch gleich drei Frischgeschlüpfte, darunter Cashew, den Bruder von Babynellas Freund, dem kleinen Wikinger.

Demnach hat Babynella sich nun in den Kopf gesetzt, daß wir auch ein Baby brauchen, oder genau genommen "ein Brüderchen, ein Schwesterchen und ein Auto!". Wieso ein Auto? "Weil Brüderchen und Schwesterchen dann bei der Oma bleiben und wir mit dem Auto wegfahren."

Das finde ich praktisch gedacht.

Heute Abend war Babynella allerdings der Ansicht, daß der Papa das einfach noch nicht verstanden hat, obwohl sie es doch schon so oft gesagt hat. Sie marschiert also eine Stunde nach der Schlafenszeit (....) in die Küche wo ihr Papa gerade die Wäsche aufhängt.

Ich höre von nebenan Gemurmel und Sekunden später stürmt eine völlig aufgewühlte Babynella zu mir ins Arbeitszimmer und hält mit beiden Händen ihre beeindruckende Löwenmähne fest.

Halb weinend und mit schreckensweit aufgerissenen Augen berichtet sie: "Mama, der Papa hat gesagt, die Babys fressen die Haare von meinem Kopf auf!!!".

Wir sind dann zusammen in die Küche gegangen und Babynella durfte den Papa einmal hauen. Feste.

Gute Nacht!

Samstag, 21. Juni 2014

Barbabo

Kennt Ihr Barbapapa? Die wunderbar bunten Formwandler stehen bei Babynella derzeit hoch im Kurs.

Wir besitzen nur ein einziges Barbapapa Buch, aber das haben wir sicher schon fünfzig Mal gelesen.  Mir ist es recht, weil ich die Familie ebenfalls seit meiner Kindheit liebe.

Entsprechend musste ich heute wirklich laut lachen als ich meine geliebte schwarze Wuschelstrickjacke anzog, Babynella mitten im Vorbeilaufen abbremste und mir staunend mitteilte: "Mama, weißt Du? Du siehst aus wie Barbabo!"

Das Kind wird ganz sicher mal ein großer Modeguru. Und bis dahin erfreue ich mich an wirklich einmal völlig offenem Style Feedback.

Montag, 26. Mai 2014

Gastautorin bei "glücklich scheitern"- Feminismus und Mutterschaft: Eine unmögliche Beziehung?

.. und schon wieder war es 2 Wochen lang furchtbar still hier. Fleißig war ich aber trotzdem: Meine Freundin Melanie betreibt den Blog "glücklich scheitern" und läßt derzeit in Erwartung ihres zweiten Kindes einfach mal andere für sich schreiben, und zwar über das Thema Feminismus und Mutterschaft.

Wenn Ihr wissen wollt, was mir dazu eingefallen ist, bitte hier entlang.

Samstag, 10. Mai 2014

Dries van Noten - Inspirations

Bei meinem letzten beruflichen Aufenthalt in Paris hatte ich die Gelegenheit, nach dem Büro mal wieder mein Lieblingsmuseum zu entern, das "Les arts décoratifs". Es befindet sich in einem Seitenarm des Louvre und bietet immer wieder ganz wunderbare Modeausstellungen.

Aktuell, und noch bis zum 31. August 2014, kann man dort die Ausstellung "Dries van Noten - Inspirations" anschauen.



Dries van Noten ist einer meiner Lieblingsdesigner. Für mich ist er der Reisende unter den Modedesignern, der ethnische Einflüsse so wunderbar in seinen Entwürfen unterbringt, daß man zwar die Herkunft erkennt, aber keinesfalls der Gedanke an Folklore oder Kostümierung aufkommt. Seine für mich schönste Modenschau F/S 2005 bei der er die Models über einen als Tisch gedeckten Laufsteg laufen läßt, habe ich viele Male angesehen.

In der Ausstellung geht es, wie der Titel schon sagt, auch um die Frage, was ihn inspiriert. Neben den Kleidern sind viele Referenzen ausgestellt, von den Entwürfen anderer Modeschöpfer über Bilder, Skulpturen, und eben andere Kulturen.



Neben vielen sehr prächtigen, aber nicht unbedingt im Alltag tragbaren Sachen, haben mir besonders die Kleider gefallen, die schlicht und doch irgendwie besonders sind. Minimalistisch in der Farbwahl, aber mit einem besonderen Detail. So gesehen hat van Noten auch mich inspiriert, wie ganz sicher viele anderen Ausstellungsbesucher auch.

 

Prädikat: Ganz wundervoll und wie immer immer Les Arts Décoratifs hervorragend kuratiert! Wer bis Ende August in Paris ist, sollte sich die Ausstellung unbedingt ansehen!




Freitag, 2. Mai 2014

Passage réservé

Wir haben es getan: 48 Stunden Paris, zu zweit allein, ohne Babynella.

Nach drei Jahren haben wir es gewagt, uns einmal länger als nur für ein Abendessen von Babynella zu entfernen, und sind für zwei Tage nach Paris gefahren.

Babynella war in der Zeit bei der Oma, die sie wahrscheinlich intensiver umsorgt hat, als wir das allein aus zeitlichen Gründen je könnten.

Als wir Babynella am Dienstagmorgen gemeinsam im Kindergarten abgaben, schien praktisch jeder zu wissen, daß wir uns ohne Kind vom Acker machen wollten. Ist es denn eigentlich wirklich so ungewöhnlich, mal ein wenig Zeit nur für sich als Paar zu verbringen? Irgendwie schon, denn in unserem Umfeld kenne ich tatsächlich nur sehr wenige Eltern, die sich das ab und an, oder von mir aus auch nur einmalig, gegönnt haben. Klar, es setzt natürlich eine kompetente, willige und vom Kind akzeptierte Betreuung voraus, wenn man mal abhauen will. Bei einem Kind ist die vielleicht auch noch zu finden, aber ich vermute, daß es ab zweien dann doch schon ganz schön schwierig wird.

Nun, wir hatten das Glück und haben uns in meiner Lieblingsstadt vergnügt. Diesmal, ungeplant unter dem Motto "Paris von oben und von unten", indem wir uns erst die Katakomben angeguckt haben, und direkt im Anschluß einen Überblick über die Stadt auf der Tour Montparnasse verschafft haben.

Wäre beides auch mit Kind möglich gewesen? Jein.

Für die Besichtigung der Katakomben haben wir geschlagene anderthalb Stunden angestanden. Dann ging es erst eine steile Wendeltreppe 20 Meter unter die Erde, dann zwei Kilometer an aufgestapelten Skeletten durch kühle, dunkle Gänge, dann 83 Stufen wieder hoch. Mit einem kleinen Kind würde ich das nie machen, und bei einem etwas älteren wäre ich mir nicht sicher, ob das Gebotene vielleicht Ängste auslösen könnte. Dem Elch hat's nix ausgemacht, aber der hat auch schon 'ne Menge gesehen.




Die Aussichtsplattform auf der Tour Montparnasse haben wir ohne größere Wartezeit per Aufzug erreicht - die letzten drei Stockwerke muß man allerdings doch Treppen steigen. Leider war es sehr bewölkt, so daß der Effekt nicht ganz der gewünschte war. Für Kindern finde ich den Ausflug aber geeignet. Man hat oben viel Platz und es gibt quasi keine Gefahren (außer von den vielen Touristen über den Haufen gerannt zu werden).



Gut gefallen hat mir dieses Schild in einem Supermarkt: Vorrang für Schwangere, junge Mütter und Behinderte. Naja, "junge Eltern" hätte mir noch besser gefallen, aber sei's jetzt mal drum. Ist jedenfalls das Gegenteil von Quengelkassen, und bekommt somit ein "Daumen hoch!" von mir.



Wir haben unsere Zeit genossen, sind viel gelaufen, waren abends lange unterwegs und alles ohne "Mama, ich muß man Pipi!", "Papa, Arm!!!" , ohne auf Schlafenszeiten zu achten und die Frage, ob die gewählte Strecke vielleicht zu weit sein könnte. Schön war's!

Als wir Babynella gestern dann wieder abholten, wurden wir begrüßt mit einem "Ich will noch bei der Oma bleiben!". Ja, dann.... dann können wir uns vielleicht bald noch einmal so eine kleine Auszeit gönnen. A bientôt, Paris!